Westwall-Wanderung

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Vorwort

Erkundungen zu Fuß dienen gemeinhin der Orientierung im ungefragten Raum. Sind sie erfolgreich verlaufen, hinterlassen sie im Gedächtnis eine Linie. Gepaart mit weiteren Erfahrungen, die die Erinnerung bereithält, bildet die Linie wiederum ein Moment der Vergewisserung. Hier bin ich gewesen, sagt sie, hier sind wir doch angelangt. Ein innerer Plan entsteht.

Linien bleiben abstrakt, Wege hingegen werden konkret. Bei Erkundungen zu Fuß ist man auf sie angewiesen. Unwegsames Gelände kann nur notdürftig Orientierung geben und das Auge sucht mühsam nach dem Wohin?. Fast nie ist der Weg selbst ein Hindernis. Es sei denn, man definiert das Hindernis als Weg.

Die Höckerlinie des Westwalls sollte einst ein Hindernis sein. Heutzutage ist das überdauerte Wehrrelikt der NS-Zeit, das sich im Westen Deutschlands rund 600 Kilometer von Nord nach Süd erstreckt, nahezu vergessen. Fast nirgendwo in der Kartografie findet es sich verzeichnet. Allenfalls bei Google Earth ist es als schönes Ornament fassbar. Als Linie.

Der Blick von oben ist jedoch nicht der Blick der physischen Erkundung. Vom 2. bis 8. Juni 2007 beging eine Gruppe von zwölf Studierenden und Lehrenden der FH Trier ein 140 Kilometer langes Teilstück des Westwalls von Kohlscheid nach Ormont. Sie dachten sich die Trennlinie als Wegeleite, die es aufzuspüren galt. Es war ein mühsames Unterfangen. Stacheldrähte, Unterhölzer, Baumreihen versperrten ihnen den Weg. Was bedeutet das?

Wenn das Gehen das Denken lenkt, wie Thomas Bernhard sagt, dann lenkt der Weg wiederum die Gedanken. Die Linie, der Weg, das Hindernis, heute überwuchert. Wo bin ich, fragen sie uns, wo sind wir angekommen?


Christoph Schaden